Am 20. September 1991 wurde von der ZEIT ein Artikel über mich von einer anderen Zeitung übernommen und veröffentlicht, der so nicht den Tatsachen entspricht, dessen Inhalte tendenziös sind und ehrverletzend. Meine beiden Bitten um Löschung wurden von der Rechtsabteilung der ZEIT abgewiesen. Ich sehe mich deshalb dazu gezwungen, eine Richtigstellung zu veröffentlichen.

Lesen Sie bitte unten den vollständigen Text oder laden sie ihn sich unter folgendem Link als PDF-Datei herunter, vielen Dank – Gitta Peyn:

Gitta Peyn Richtigstellung ZEIT-Artikel von 1991.pdf

Richtigstellung eines ehrverletzenden Artikels in der ZEIT vom 20. September 1991 über mich – Gitta Peyn
und
Richtigstellung einiger Behauptungen auf der Website hartzvierrebellin.wordpress.com

Vorbemerkung

Am 31.10.1517 veröffentlichte Martin Luther seine Thesen. Der Thesenanschlag in Wittenberg gilt als Beginn der Reformation. 500 Jahre später werden immer noch Menschen kriminalisiert, die sich Sekten oder so genannten "Cults" angeschlossen haben, unabhängig davon, ob sie sich selbst kriminell verhalten haben oder nicht. Obwohl im Grundgesetz das Recht auf Religionsfreiheit für jeden Menschen verankert wurde, werden Menschen immer noch verfolgt, geächtet und fürs Leben stigmatisiert, die sich einmal in einer Sekte befunden haben oder noch befinden. Mit Hilfe der Sektenbeauftragten der Kirchen und dem Engagement sogar großer anerkannter Zeitungen wie der ZEIT werden religiöse Splittergruppen ins soziale Abseits gedrängt, ihre Mitglieder unmöglich gemacht, und dem Treiben ist oft selbst noch Jahrzehnte später nicht beizukommen. Einmal Sektenmitglied, immer Sektenmitglied, einmal als Guru verdächtig, für immer verurteilt.
Dabei wird mit Methoden gearbeitet, die oft genug nicht weit entfernt sind von der blanken Lüge, und die Ahnungslosen werden dazu motiviert, an diesem Spiel teilzuhaben und (ehemalige) Mitglieder von Sekten mit Argusaugen zu bewachen, um ihnen niemals zu gestatten, sich noch einmal weiter von der Herde zu entfernen, als die scheinheilige Moral es erlaubt. Jeder, der einmal in einer Sekte war, kennt die Ausgrenzungs- und Kriminalisierungsmethoden und hat ihre fatalen Auswirkungen auf die eigene Psyche erlebt. Die Gesellschaft will ihre Opfer. Verweigert man ihr das Opfer, bleibt man sein Leben lang ein Täter - ausgegrenzt, allein gelassen, verfolgt, gemobbt und im Zweifelsfalle sogar mit dem Shit-Storm erledigt. Wer das nie erlebt hat, kann es nur schwer nachvollziehen, und niemand nimmt sich dieser Minderheit an. Der Kampf gegen ein aufrechtes Anderssein beginnt in den eigenen Familien, der dann, wenn sich das (ehemalige) Sektenmitglied weigert Reue zu zeigen, ein Leben lang anhalten und familiäre Bande für immer zerstören kann.
Dass der Begriff aber eigentlich nur "religiöse Splittergruppe" meint, wird dabei nicht nur übersehen, die Verwendung des Begriffs an sich ist bereits tendenziös und das absichtlich.

Es ist kein Wunder, dass sich die Deutschen immer noch schwer damit tun, Andersdenkende zu akzeptieren, dass sie solche Probleme mit dem Islam haben – auch dann, wenn er friedlich daher kommt. Vermutlich sitzt die Konditionierung auf den andersartigen "Muselmanen" immer noch tief. Ich denke dabei an meine Kindheit und das Lied "C A F F E E – trink nicht zu viel Kaffee, nichts für Kinder ist der Türkentrank, schwächt die Nerven, macht Dich blass und krank. Sei doch kein Muselman(n), der das nicht lassen kann".

Reißerische Artikel, Verleumdungen im Netz, skandalöse TV-"Berichte" zeichnen das Bild, und die Betroffenen haben keine Chance, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Sie können nur noch für den Rest ihres Lebens unauffällig bleiben, die angebotene Opferrolle annehmen und hinreichend genug Abbitte tun. Man braucht Klarheit, um zu erkennen, dass in der Mehrzahl der Fälle die angeblichen Sekten"opfer" vielenteils in Wahrheit Opfer einer rücksichtslos gewalttätigen Gesellschaft sind, die diese Menschen missbraucht, instrumentalisiert und emotional foltert, ihnen ihr Recht auf ihre eigene Wahrheit verweigert und sie bestraft, wenn sie darauf bestehen. Ich will Ihnen deshalb direkt ins Gesicht sagen: Ich bin bewusst und absichtlich in diese Gruppe gegangen, um die es hier geht, ich habe dort viel gelernt, viel kritisiert, und ich bin ebenso bewusst wieder aus der Gruppe rausgegangen. Ich habe keinen Tag dort bereut, und ich habe dort eine Menge über die Gesellschaft und ihre Konditionierungsmechanismen gelernt. Wenn die Mobber, die sich noch heute immer wieder scharen, um mein Leben und meine Arbeit zu zerstören, sich nicht schämen, sehe ich es als meine Aufgabe an, ihnen zu erklären, was sie sind.

Der Mitläufer wird dabei zum Instrument derjenigen, die die Deutungshoheit halten und denkt in der Regel keinen Augenblick lang darüber nach, dass er sich zum Instrument böser Absicht und Handlung macht. Er ist das hässliche Gesicht einer Minderheiten verfolgende Gesellschaft, der dabei so gut wie jedes Mittel Recht ist, wenn sie sich im Besitz der gläubigen Wahrheit wähnt.

Soviel zur "Sekte", nun zum Alkohol:

Im Kampfsport ist es Tradition, große Mengen Alkohol zu konsumieren. Auch im söldnerischen (und teilweise soldatischen) Training wird diese Methode verwendet. Das Ziel ist ein Mensch, der gelernt hat, auch unter Intoxikation noch funktionsfähig zu bleiben, reaktionsfähig und reaktionsschnell. Viele autochthone Ethnien verwenden Alkohol dafür, innere Dämonen herauszulassen – was unter Alkohol passiert, passiert in einer Anderwelt, am Morgen danach ist alles vergessen. In unserer Gesellschaft wird Alkohol auf Parties in großen Mengen konsumiert, dabei kommt es nicht selten zu heftigen Entgleisungen, die die Gesellschaft in der Regel ignoriert und integriert.
Das Trinken von Alkohol in "Sekten" verdächtig zu machen, ist Teil der Methode der Gesellschaft, es den Menschen nicht zu erlauben, religiösen Überzeugungen zu folgen, die sie nicht akzeptiert.

Gehorsamseide, psychische Unterdrückung, Schlafentzug etc.:

In christlichen Klöstern gibt es vielenteils eine psychische und physische Disziplin, der man, wird sie in "Sekten" praktiziert, ihre Funktionalität abspricht und sie im Gegenteil zum Instrument der Herrschaft des Gurus über die Jünger deklariert. Dass in beiden Fällen die Neigung zur spirituellen Überzeugung eine Entscheidung war, der der Erwachsene Mensch absolut nach dem Grundgesetz das Recht hat zu folgen, dem wird in keiner Weise Rechnung getragen. Mit dem seltsamen Maß der Konditionierung gilt das Verhalten im einen Falle als religiös, unter Umständen sogar als heilig, im anderen ist es kriminell und satanisch. Auch wird mit zweierlei Maß gemessen, begehen Kirchenväter kriminelle Handlungen. Dort betreffen sie nicht die Gläubigen, im Fall der Sekte aber ist klar, dass der Jünger Opfer sein muss und Anteil hat an den Machenschaften der Sekte – erst recht, wenn er sich einbringt.

Denken Sie mal darüber nach, bevor Sie hingehen und jemanden auf Verdacht verurteilen und das sogar öffentlich, wenn Sie jemanden mobben, den Sie gar nicht kennen, wenn Sie am Rufmord teilnehmen, wenn Sie Minderheiten verfolgen, obwohl Sie niemals mit den betreffenden Personen gesprochen haben (oder nur mit den gebrochenen Seelen, die nicht anders konnten, als der Gesellschaft per Wort dienlich zu sein, weil sie dem Druck, den eben diese Gesellschaft auf sie ausübt, nicht ertragen. Von denen habe ich viele erlebt. Nur die Wenigsten besitzen den Mut, hinterher zu sagen "Mein Recht, mein Wille, dazu hast Du nichts zu sagen, es ist mein Leben").

Ich war für 3,5 Jahre Mitglied einer kleinen religiösen Splittergruppe, die man "Thelema-Sekte" genannt hat. Ich habe erlebt, was dort drinnen passiert ist, und ich habe gesehen, erfahren und mit Entsetzen zur Kenntnis genommen, was da draußen passiert. Und ich kann Ihnen mit dem Recht des aus Erfahrung Überzeugten folgendes sagen: Was die Gesellschaft mit mir versucht hat zu machen, als ich "in der Sekte" war und was sie bis heute, über 25 Jahre nach meinem Austritt noch mit mir macht, übertrifft in Sachen Konditionierung, psychischer und sozialer Folter, Grausamkeit, Gemeinheit um ein Vielfaches das, was "drinnen" passiert ist (und was Ihnen Presse, Kirchen, Staat und vollkommen verängstigte oder vorher schon psychisch schwer angeschlagene "Opfer" und "Aussteiger" erzählen, ist weitestgehend überzogen, vielenteils sogar blanke Lüge. Ich habe es sogar noch Jahre später erlebt, da hat der MDR mit mir eine Sendung gemacht über diese "Sekte". Mein Ziel war, deutlich herauszustellen, wie lächerlich sowohl die Gruppe, als auch der Kampf der Gesellschaft gegen sie war (und teilweise immer noch ist, obwohl Eschner schon lange tot ist). Heraus kam dabei ein zusammen gestückeltes Machwerk, in dem ich ein weiteres Mal in die Rolle des Opfers gezwängt und öffentlich stigmatisiert wurde. Ich halte Michael D. Eschner für einen Volldeppen mit psychopathischer Persönlichkeitsstörung, aber ich bin als Erwachsene in diese Gruppe gegangen und noch erwachsener dort wieder heraus. Es war die Gesellschaft, die mich zum Kind machen wollte und die mir bis heute nicht vergeben hat, dass ich nicht dazu bereit war, mich von ihr zum Opfer stempeln zu lassen und reuevoll in die Herde zurückzukehren.

Wenn man mich fragen würde, für wen ich mehr Verachtung empfinde: den "Sektenguru" oder all diejenigen, die sich freiwillig dem Mobbing an mir anschließen und mich in vorgefertigte Rollenschemata pressen wollen, die Antwort fiele mir leicht, und Sie dürfen dreimal raten. Ich hege eine tiefe Abscheu gegen jeden Verdachtsjäger, jeden Sykophanten, jeden, der den Verdacht äußert und ins Netz stellt, ohne den Betroffenen eine aufrichtige Chance zum Dialog zu bieten, und ich habe nie, nicht ein einziges Mal, erlebt, dass sich die Medien in diesen Fällen fair verhalten haben. Von den Kirchen und ihren Sektenbeauftragten müssen wir gar nicht erst reden, sie verfolgen hier eine brutale eigene Agenda - es geht um Deutungshoheit und um Macht.

Und eine kleine persönliche Information, bevor es zur Richtigstellung geht: Ich habe mich 2004 zum Abschluss meiner intensiven Reise durch die Religionen christlich taufen lassen.

 

Betreffende Links:

Ich halte es heute nicht mehr für hinreichend, ehrverletzende Artikel oder Websites einfach zu dulden. Vor dem Hintergrund der Informationsüberflutung ist es für den Einzelnen immer schwerer zu unterscheiden, welchen Quellen er trauen kann und welchen nicht.
Da sich leider auch sonst seriöse Zeitungen wie Die ZEIT nachlässiger Übernahme von Fremdartikeln ohne Überprüfung, Chance zur Stellungnahme o. ä. schuldig machen, halte ich es für sinnvoll, zum Schutz meines Rufs selbst die Richtigstellung vorzunehmen, um dem interessierten Leser so die Chance zu geben, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Ich werde Zitate aus beiden Quellen kursiv und eingerückt formatieren und meine Richtigstellung normal und linksbündig.

Zum Artikel der ZEIT vom 20. September 1991,
Autorin: Gabriele Schulte

Vorab:

  1. Es handelt sich bei diesem Artikel nicht um einen Original ZEIT-Artikel. Der Artikel ist ursprünglich in der Lüneburger Landeszeitung erschienen.
  2. Die Autorin hat sich mir nicht als Journalistin kenntlich gemacht, sondern sich als Interessierte an einem Workshop vorgestellt. Ich kann auch nicht mit Sicherheit sagen, ob und dass die Dame, die an dem Abend anwesend war, tatsächlich hinterher auch diesen Artikel geschrieben hat.
  3. Der Artikel wurde in der ZEIT veröffentlicht, als ich schon nicht mehr Mitglied der Thelema-Gruppe war. Ich habe diese Ende August 1991 verlassen. Der Artikel erschien am 20. September 1991 und steht seither im Netz.
  4. Ich wurde auch weder von der Autorin, noch von den Zeitungen über die Veröffentlichung des Artikels informiert, sondern habe ihn erst sehr viel später entdeckt. Dies gilt sowohl für die Veröffentlichung in der Lüneburger Landeszeitung als auch in der ZEIT.
  5. Ich war zu dem damaligen Zeitpunkt keine Person öffentlichen Interesses.
  6. Ein Reporter, der als sein eigener Zeuge auftritt, muss einiges an Seriosität mitbringen, Objektivität wahren. Frau Schulte hat sich der Willkür, Schludrigkeit in der Berichterstattung und Falschdarstellung schuldig gemacht. Der gesamte Artikel ist tendenziös.
  7. Es waren an diesem Abend mehrere Zeugen anwesend. Keiner wurde befragt, wie er selbst das wahrgenommen hat.

Zum Inhalt:

…Die Zeit des „Saufabends“ ist gekommen – für magisch Interessierte ein erster Schritt auf dem Weg zur Unsterblichkeit.
Ein paar Teelichte erhellen den immer dichter werdenden Zigarettenqualm im kleinen Bodybuilding-Raum, in dem am Nachmittag abwechselnd Körper und Seele ausgebildet worden sind.
Dreizehn Stunden lang, bis zur Morgenmeditation, darf niemand das Zimmer verlassen.

Richtigstellung: Das Zimmer durfte verlassen werden, wie die Autorin selbst beweist, die den Raum und die Veranstaltung abends bereits nach kurzer Zeit verlässt. Sie hatte sich drei Bier mitgebracht, als sie damit fertig war, ging sie.

Die fünf Männer und drei Frauen lassen sich auf dem Fußboden rings um ein weißes Papiertuch nieder. Sie können jetzt nur noch die nebenan in der Küche untergebrachte Toilette aufsuchen; einige werden sich dort vom Schnaps übergeben. „Wer den Raum zu verlassen versucht oder einen anderen nicht davon abhält, muß Gehorsam schwören und morgen unser aller Leibsklave sein“, erzählt Harald, seit fünf Monaten Teilnehmer bei den Ausbildungsseminaren der Thelema-Sekte, mit finsterer Miene den Neulingen. Kein Widerspruch, die Gruppe hat’s beschlossen.

Richtigstellung: Die Autorin konnte nicht wissen, ob sich jemand übergeben hat oder nicht, sie hat die Veranstaltung früh verlassen. Ich habe niemals jemanden gezwungen zu bleiben und gehe davon aus, dass wenn „Harald“ so etwas gesagt hat, was ich nicht bestätigen kann, dann war das mit Sicherheit ein Scherz.

„Prost“, sagt heiter Gitta Pein, die Ausbilderin, nachdem alle ihre mitgebrachte Flasche Wodka ausgepackt haben. Nur wenn die blondgelockte, lässig in Jeans und T-Shirt gekleidete Frau ausdrücklich dazu auffordert, dürfen die Schüler trinken und müssen es dann auch.

Richtigstellung: (amüsiert) Mein Name wurde schon falsch geschrieben, er lautet „Peyn“ und nicht „Pein“. Außerdem trage ich nie Jeans, wenn ich auf dem Fußboden sitze, die sind doch dafür viel zu unbequem. Ich hatte eine Jogginghose an. Trinken durfte jeder soviel er will und wann er will. Das „Prost“ war eine lustige Aufforderung, wem das zu viel oder zu wenig war, konnte es halten wie der Dachdecker. Ich glaube nicht an Zwang.

Zwar heißt Thelema „freier Wille“ und das oberste Gebot der Gruppe „Tu, was du willst, soll sein das ganze Gesetz“. Doch die Studenten, Krankenpfleger oder Betriebswirte, die sich der Sekte anschließen, geben ihren Willen an der Holztür des Verlags- und Ausbildungszentrums ab.

Richtigstellung: Ich kann als Aussteigerin aus der Gruppe sicher sagen, dass ich immer die freie Wahl hatte, es gab auch keinerlei Widerstände, als ich die Gruppe verlassen habe. Ich war mit einigem dort nicht einverstanden und habe stets meinen eigenen Stil verfolgt. In der Gruppe, die bei mir Workshops gebucht hatte, gab es kein Abgeben des Freien Willens. Für das, was andere dort gemacht haben sollen, kann ich nicht sprechen – nicht dafür, nicht dagegen.

Ein halbes Jahr lang werden sie bei Wochenendseminaren auf die Rituale und Denkweise der festen Gruppe von derzeit siebzehn Männern und Frauen getrimmt – die meisten zwischen Zwanzig und Mitte Dreißig –, die in Thelemiten-Wohngemeinschaften im Kreis Lüchow-Dannenberg leben. Die Gruppe schreibt etwa Meditationszeiten vor und legt fest, daß ein Tagebuch zu führen und herumzuzeigen ist. Wer zunächst dagegen war, fügt sich dem Mehrheitsbeschluß – um der eigenen Unsterblichkeit willen.

Richtigstellung: Frau Schulte war nur an einem Nachmittag und kurz an einem Abend dabei. Sie kann nicht wissen, ob Meditationszeiten vorgeschrieben wurden und Tagebücher geführt werden mussten. Ich selbst habe nur sporadisch Tagebuch geführt, die Meditationen waren freiwillig, und von „Trimmen“ weiß ich nichts. Zu meditieren war eine Empfehlung, ein Tagebuch zu führen ist, um die Ergebnisse zu überprüfen, eine gute Idee. Gezwungen habe ich dazu niemals jemanden und wurde auch selbst nicht dazu gezwungen. Ich frage mich auch allen Ernstes, wie ich mir solch einen Zwang vorstellen soll.

„Ihr blöden Schafe müßt zu Kamelen werden, die geduldig eine Last tragen“, herrscht Gitta nach den ersten Gläschen Wodka ihre Schäfchen an, die während des gesamten Wochenendes mit den Augen wie gebannt an ihren Lippen hängen. „Ich bin unsterblich“, flüstert Harald zurück. Um einen stofflosen „Astralkörper“ zu bekommen, mit dem er jederzeit seinen Leib verlassen kann, will der schüchterne ehemalige Student und jetzige Gelegenheitsjobber aus München auf Gitta und die anderen „Erleuchteten“ hören. Die können, so erzählen sie jedenfalls, durch bloße Gedanken Schubkarren spurlos verschwinden lassen.

Richtigstellung: Was für ein Durcheinander. Wir sprachen über das Gleichnis von Friedrich Nietzsche „Von den drei Verwandlungen“, in dem vom Kamel, Löwen und Kind die Rede ist. Was Gabriele Schulte als „Anherrschen“ darstellt, war ein Scherz. Dasselbe gilt für die Schubkarren. Der hier erwähnte Harald hat auf mich auch nie den Eindruck eines Schäfchens gemacht.

Thomas, ein Büroangestellter aus Braunschweig, der in Kürze zu den Thelemiten ins Wendland umziehen will, hat gerade drei Wochen Urlaub genommen, um für die Ausbilder zu kochen, zu putzen und auf ihren Wink hin zur Kaffeemaschine zu eilen. Mit dem „Gehorsamseid“ hat der philosophisch Interessierte, bei Diskussionen jedoch recht unsicher wirkende junge Mann die erste Hürde zur Aufnahme genommen. Zur zweiten Prüfung, den verlangten Rasierklingenschnitten in den Arm, ist er allerdings noch nicht bereit.

Richtigstellung: Ich habe die Praxis der Rasierklingenschnitte nicht nur abgelehnt, sondern grundsätzlich davon abgeraten, sich Verletzungen selbst zuzufügen. Zu meiner Zeit wurde diese Praxis in der Gruppe m. W. nicht durchgeführt, und ich vermag auch nicht zu sagen, ob das jemals wirklich der Fall war. Hätte Frau Schulte diese Behauptung überprüft, sie hätte an keinem Arm der Mitglieder der Gruppe, die zu meinem Workshop gekommen ist, solche Verletzungen oder Narben gefunden, die durch mich motiviert wurden, wie ich natürlich auch niemals jemanden dazu aufgefordert habe, sich zu verletzen. Der „Gehorsamseid“ wurde nur kurzfristig durchgeführt, er ist in vielen Klöstern Tagesordnung. In den meisten christlichen und buddhistischen Klöstern geht es weitaus härter zu als damals in meiner Workshopgruppe.

„Ekel in Freude verwandeln“ gehört zu den Lehren des englischen Magiers Aleister Crowley – Selbstbezeichnung „das Tier 666“ – und seiner angeblichen Wiedergeburt Michael D. Eschner, Buchautor und Chef der Thelemiten. Mit dem Ekel sollen die bisherigen Werte verschwinden, um Platz für neue, von der Gruppe gesetzte Normen zu schaffen – nach der Devise „Jeder ist Schöpfer seiner Welt“. Ehemalige Mitglieder berichten von einem „Ekeltraining“, bei dem Kot gegessen und Urin getrunken worden sei. Gitta Pein, die als Leiterin des thelemitischen Buch- und Zeitschriftenverlages zu einer Führungsfigur der Gruppe herangewachsen ist, streitet das ab. Mit Ekel sei Schmerz gemeint, und den sollten Thelemiten kontrollieren lernen.

Richtigstellung: Noch einmal: Mein Name schreibt sich Paula Emil YPSILON Nordpol. Ferner: Ich war nie „Leiterin“ des Verlags, sondern Co-Inhaberin. Was frühere Mitglieder über die Gruppe erzählt haben sollen, kann ich nicht beurteilen, möchte aber die Vermutung anstellen, dass die Verfasserin dieses Machwerks sich keinerlei Mühe gegeben hat, das zu überprüfen. Ich weiß nichts von „Kot essen“ (igitt). Eine Führungsfigur der Gruppe war ich nicht. Ich habe mich immer wieder gegen die meiner Ansicht nach zu hierarchische Organisationsstruktur dieser Thelema-Gruppe gewendet (es gibt weltweit mehrere) und war deshalb auch nicht gerade beliebt bei dem Leiter, Herrn Michael D. Eschner.

Der 42jährige „Mike“ Eschner ist wegen Betruges und Körperverletzung vorbestraft. Seit einigen Monaten muß er sich vor dem Landgericht Lüneburg wegen mutmaßlicher Vergewaltigung einer Schwangeren verantworten. Während einer sexualmagischen Gruppensitzung soll der Zwei-Zentner-Mann der 27jährigen Hotelkauffrau auch brennende Zigaretten auf der Haut ausgedrückt haben. Thelemiten-Ausbilder Frank hat für die Wunden eine andere Erklärung: „Das haben böswillige Emanzen aus dem Landkreis inszeniert“, verrät er. Gemeint sind die Mitarbeiterinnen eines Frauenhauses.

Richtigstellung: „Vergewaltigung einer Schwangeren“? Ich weiß von einem Prozess, und Herr Eschner wurde auch verurteilt. Ob die Tat stattgefunden hat oder nicht, kann ich nicht sagen, das Geschehen fand vor meinem Eintritt in die Gruppe statt. Ich selbst wurde nie Zeugin einer Vergewaltigung. Die Autorin Gabriele Schulte ist Herrn Eschner nicht begegnet. Franks damalige Bemerkung war eine andere, er hatte einen Verdacht geäußert und keine Behauptung aufgestellt. Noch einmal macht sich Frau Schulte unsachgemäßer Darstellung, tendenziöser Berichterstattung und willkürlicher Behauptung schuldig und Die ZEIT mangelnder Überprüfung ihrer Fremdautoren.

Die allerdings werden von den Mitgliedern der Sekte ohnehin nicht ernst genommen. Wer sich nicht auf den Weg zur Unsterblichkeit begibt, gilt als „Primat“, als affenähnliches Wesen. Unsterblichkeit soll mit viel Meditation und mit systemtheoretischem Denksport erreicht werden. Als „unmoralisch“ wird alles bezeichnet, was nicht der Unsterblichkeit dient: mehr als sechs Stunden Schlaf zum Beispiel, aber auch ein Übermaß an Erwerbsarbeit.

Richtigstellung: Der Begriff „domestizierter Primat“ stammt von Robert Anton Wilson. Es handelt sich dabei um eine humorvolle Bezeichnung. Sechs Stunden Schlaf habe ich damals wie heute zumindest für mich für zu wenig gehalten (dafür schlafe ich viel zu gern). Das muss jeder für sich entscheiden. In der Gruppe hat jeder geschlafen, wie er wollte, solange er wollte, die Workshops hatten natürlich Anfangs- und Endzeiten. Frau Schulte spekuliert ein weiteres Mal und bringt wild humorvolle Beschreibungen und Tatsächlichkeiten durcheinander, um bewusst das von ihr intendierte Bild zu zeichnen. So geht seriöse journalistische Arbeit nun wirklich nicht.

Die Gruppenmitglieder beschränken sich deshalb meist auf unentgeltliche Arbeit in verschiedenen Thelemitenbetrieben wie dem Pein und Schulze-Verlag, einem Versandhandel für Hexenbretter, schwarze Spiegel und andere „zukunftsweisende“ Hilfsmittel – aber auch als Dozenten für vom Arbeitsamt geförderte Computereinführungskurse, die die Thelemiten neuerdings gern in Sachsen-Anhalt anbieten.

Richtigstellung: Und das weiß Frau Schulte woher? Der Verlag war ein Buchverlag. Ein anderes Mitglied der Gruppe hat in Eigenregie ein kleinen Versand mit esoterischen Produkten betrieben. Und? Die Gesamtgruppe hatte damals 13 Mitglieder, einige waren arbeitslos. Es gab ein Mitglied, das Computerkurse gab, richtig. Und? Jeder Mensch hat das Recht darauf, einer geordneten Arbeit nachzugehen.

Geld bringen auch die Magie- und Unsterblichkeitskurse in Bergen. 111 Mark kostet der Einführungskurs an jedem Wochenende. Außer neuer Ethik, Anleitung zur Meditation und Tips für das Bannen unerwünschter Geister mit Hilfe von magischen Fünfecksternen gibt’s dafür nur Wurstbrote, Kaffee, Cola und einen Erbseneintopf.

Richtigstellung: Mit Humor: Was ist ein Unsterblichkeitskurs? Ich denke, daran wären sicherlich einige interessiert. Was es zu essen gegeben hat, weiß ich nicht mehr, wohl aber, dass Frau Schulte 30 Mark für den Workshop bezahlt hat. Ich wäre jedenfalls für einen Unsterblichkeitskurs sehr viel mehr bereit zu zahlen als 111 D-Mark, und Sie? :)

Damit die Schüler bei den Seelenreisen nicht verrückt werden, legen ihnen die Thelemiten ans Herz, sich entweder den Wendland-Wohngemeinschaften anzuschließen oder in ihren Heimatorten ein Netzwerk von Thelema-Gruppen zu schaffen. Menschen, die als psychisch Kranke zu ihnen kommen, versprechen sie Hilfe. Peter zum Beispiel, einem Teilnehmer des Einführungskurses, ist vom Arzt Schizophrenie bescheinigt worden. „Außerdem ist er wohl schwachsinnig“, meint Gitta Pein. In Bergen wird ihm nicht nur gezeigt, wie sich Psychopharmaka mit einer Flasche Wodka vertragen, sondern auch, wie die Küchen von Ausbildern geputzt werden.

Richtigstellung: Kurz bevor Frau Gabriele Schulte sich aufgemacht hat, um ihre Vorannahmen für die Öffentlichkeit in schriftliche Form zu gießen, war ein junger Mann auf einem Workshop bei mir, von dem ich dachte, dass er therapeutische Hilfe benötigt. Ich habe es abgelehnt, dass er weiter zu meinen Workshops kommt. Ich habe nie behauptet, Menschen, die psychisch krank sind, Hilfe anbieten zu können – im Gegenteil: Ich habe stets gesagt, dass bei vielen psychischen Erkrankungen Meditation, Rituale und so weiter kontraindiziert sind und mich stets geweigert, mit Menschen zu arbeiten, die psychisch krank sind, sondern sie an Ärzte und Therapeuten verwiesen.  Dass in Bergen jemals einem erwiesen psychisch kranken Menschen gezeigt wurde, wie sich Alkohol mit Psychopharmaka vertragen, kann ich nicht bestätigen. Ich erinnere mich im Gegenteil daran, dass mehr als einmal solche, die dergestalt auffällig wurden, gebeten wurden zu gehen.

Eine junge Frau aus Hannover, die Anfang des Jahres über einen Freund an die Thelemiten geriet, hat sich nach Aussage der Ausbilderin inzwischen durch Meditation von ihrer Schizophrenie geheilt. Besuche beim Psychotherapeuten vertragen sich nicht mit thelemitischer Ausbildung: „Die Ärzte reden den Leuten bloß Krankheiten ein.“

Stellungnahme: Ich vermag nicht zu sagen, ob die Dame das gesagt hat, habe aber selbst niemals diese Ansicht vertreten.

Die Mitglieder der Initiative betroffener Eltern in Hannover mögen an Thelema-Wunder nicht glauben. „Mein Sohn meldet sich nur noch, wenn er eine Unterschrift für den Sozialhilfeantrag braucht“, erzählt ein verbitterter Vater. Wie mit den alten Werten sollen die Thelemiten auch mit früheren Kontakten brechen. In ihrer Not hat sich die Elterngruppe ans Justiz- und Sozialministerium und an die Lüneburger Bezirksregierung gewandt. Die Landesregierung spricht von einem „destruktiven Glauben, dessen Zielsetzung unserer demokratischen Grundordnung widerspricht“. Doch niemand weiß, wie die Unterwerfung magiebegeisterter junger Erwachsener unter die selbstherrlichen Sektenführer verhindert werden kann.

Stellungnahme: Mir wurde von einer Teilnehmerin meiner Workshops mitgeteilt, dass die Eltern EINES anderen ehemaligen Mitglieds (ich hatte dieses darum gebeten, nicht noch einmal zu kommen, da mir sein Verhalten psychisch instabil vorgekommen ist und ich die Verantwortung nicht übernehmen konnte und wollte) gemeinsam mit ihren Eltern Frau Gabriele Schulte beauftragt hatten, nach Bergen zu gehen, um von dort dann zu berichten. Ich kann nur vermuten, dass es sich bei dieser „Elterninitiative“ um diese beiden Elternpaare gehandelt hat. Die Gruppe, die zu meinen Workshops kam (die ich übrigens nicht lange gab, ich hatte zu viele Differenzen mit Herrn Eschner und klare eigene ethische Vorstellungen, die sich mit einigem, was dort praktiziert wurde, nicht deckte, dass ich als „Ausbilderin“ rasch wieder abgesetzt wurde und dann eben kurz darauf auch die Gruppe verließ), war sehr klein. Es waren meiner Erinnerung nach fünf Leute, davon waren zwei aus Berlin, eine (eben benannt) aus Hannover oder Lüneburg (ich erinnere mich nicht so genau), die anderen beiden waren nicht aus Hannover oder Lüneburg.

Abschluss zum Artikel in der ZEIT: Dieser Artikel ist tendenziös, willkürlich, bösartig, ruf-schädigend und ehrverletzend. Ich behalte mir eine entsprechende Klage gegen Die ZEIT vor. Zwei Versuche, ihn vom Netz nehmen zu lassen, wurden von der Rechtsabteilung der ZEIT abgelehnt. Der zweite Versuch wurde von meiner Anwältin vorgenommen.

Ich halte viel von der ZEIT und bin nicht nur aus persönlichen Gründen entsetzt, dass auf zweimalige Bitte dennoch der Artikel nicht vom Netz genommen wurde. Gerade heute vor dem Hintergrund eines neuen rechtsradikalen Populismus sind wir darauf angewiesen, dass die Journalistik für seriöse Berichterstattung sorgt. Dass Einzelne und Privatpersonen auf diese Weise verunglimpft werden, sollte nicht passieren.

Ich kann nur jeden, der die Absicht hat, sich ein Bild über mich zu machen, darum bitten, dies mit Abstand und der nötigen Sorgfalt zu tun. Was auch immer man über die Thelema-Gruppe in Bergen (von der ich nicht weiß, ob sie überhaupt noch wirklich existiert oder eher eine Internetleiche ist, Herr Eschner ist ja nun auch schon einige Jahre verstorben) sagen mag: Auf vielen Partys heute geht es wilder zu als damals dort – schon, um der Zeit angemessen zu denken, sollte man sich nicht solchen intendierten Konditionierungsversuchen anschließen. Das hier ist Mobbing! So etwas gehört sich nicht.

Zu den Bemerkungen auf der Seite „Hartzvierrebellin“

Man kommt sich allerdings schon etwas albern vor, zu solch wilder Zusammenstellung von Behauptungen überhaupt etwas sagen zu müssen. Ich beschränke mich schon allein deshalb, weil ich keine Lust habe, mich durch diesen Irrsinn zu wühlen, auf das Wesentliche.

  1. Ich war nie und bin kein Coach von Inge Hannemann.
  2. Auf meinen telefonischen Anruf bei Frau Hannemann hin, ob sie eine solche Bemerkung über Susi Z. öffentlich gemacht habe, hat mir Frau Hannemann versichert, dass es sich bei dem von Frau Carmen H. veröffentlichten Posting um ein Fake handelt. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob das der Fall ist oder nicht und habe mich schon allein deshalb dazu verpflichtet gesehen, Frau Carmen H. darauf aufmerksam zu machen, dass dies vor allem erst einmal Frau Susi Z. schadet und sie es deshalb vom Netz nehmen sollte.
    Da ich nicht sicher wissen konnte, ob Frau Hannemann eine solche Bemerkung nun tatsächlich selbst gemacht hat oder nicht, konnte ich natürlich dazu auch nicht Stellung beziehen und erst recht nicht sie dafür verurteilen.
  3. Die Bemerkungen in der Notbremser-Gruppe sind tendenziös interpretiert wie der ganze Rest auch.
  4. Zum ZEIT-Artikel ist alles gesagt.
  5. Meine kleine Reiberei mit einigen Mitgliedern der GWUP auf Facebook ist nun wirklich harmlos genug gewesen, und nach meinem Dafürhalten haben sich hier eher die GWUP-Mitglieder daneben benommen als ich.

Ich halte diese Seite insgesamt – wie wohl jeder andere kritische Leser auch – für nicht weiter bemerkenswert. Es gibt kein Impressum, es kann nicht nachvollzogen werden, von wem das alles wirklich stammt, und der Stil ist offensichtlich einer von jemandem, der nichts von seriöser journalistischer Arbeit versteht.

 

Ich hoffe, dass die ganze Sache damit dann auch Ruhe hat, für Fragen stehe ich natürlich gern zur Verfügung:

gitta(at)gitta-peyn.de

 

Gitta Peyn, 22. Februar 2017